Die Verwendung der Ich-Form in wissenschaftlichen Arbeiten (Dr. Britta Schlüter-Oldekop)

Die Ich Form in der Wissenschaftlichen Arbeit
Frage: Ist das „Ich“ erlaubt oder nicht? Gibt es Anwendungsfälle oder Ausnahmen?
Antwort: Das „Ich“ in der Bachelorarbeit ist nicht verboten, ist meist aber nicht angebracht.

Kurz-Begründung:

In einer wissenschaftlichen Arbeit geht es um Fakten, Daten und eine ausgewogene Argumentation. Aus der Argumentationslinie folgen die Schlussfolgerungen und Ergebnisse. Diese sollen sich möglichst objektiv und logisch aus den Fakten ableiten.

Das „Ich“ des Autors, sein Ego und seine persönliche Meinung treten dahinter zurück. Mehr noch: Persönliche Vorlieben und Subjektivität sollen beim Forschungsprozess möglichst außen vor sein, da diese die von Objektivität und Intellekt getragene Suche nach Ergebnissen verfälschen könnte.

1. Warum ist die Verwendung von Personalpronomen in Abschlussarbeiten strittig?

Die Verwendung der Personalpronomen ich, wir und man in Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten ist ein Thema, was immer wieder auch an Hochschulen neu zur Diskussion steht.

Wissenschaftler sollten das Ziel verfolgen, verallgemeinerbare, objektive und exakte Erkenntnisse zu gewinnen. Der Fokus liegt auf dem Inhalt, nicht auf dem Verfasser. Die Verwendung der Personalpronomen ich, wir und man sollte also vermieden werden.

Verpönt ist insbesondere das narrative „Erzähl-Ich“. Hier wird oft autobiografisch berichtet oder die eigene Meinung in den Vordergrund gestellt („Die Strukturierung der Arbeit habe ich gewählt, weil. ich der Meinung bis, dass …“/ „Im folgenden Kapitel behandele ich die …“). Dies gilt als unsachlich.

„Man“ ist darüber hinaus wissenschaftlich unpräzise, da dem Leser unklar bleibt, wer genau gemeint ist: eine Gruppe oder irgendeine Person?

Die Formulierungen sollten also so neutral und objektiv wie möglich erfolgen. Das früher oft verwendete „wir“ als Pluralis Majestatis gilt heute als altertümlich.

2. Ausnahmen

Es gibt allerdings kein offizielles Ich-Verbot. Es wird lediglich empfohlen, Personalpronomen wie ich, wir oder man nur zurückhaltend zu verwenden. Dennoch: Manchmal lässt sich ein Ich aber kaum vermeiden. In Vorworten, Danksagungen, Praxisberichten (deskriptives Verfasser-Ich) oder auch zur wissenschaftlichen Positionierung (argumentatives Forscher-Ich) kann die Ich-Form gerne genutzt werden.

3. Was ist an Ihrer Hochschule üblich?

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie immer die jeweiligen Vorgaben Ihrer Hochschule zur Anfertigung von Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten prüfen oder gegebenenfalls die Handhabung mit dem Prüfer/Betreuer abklären!

Wenn Sie immer noch unsicher sind, schauen Sie doch in einige Arbeiten, die an Ihrem Lehrstuhl bereits eingereicht (und am besten gut bewertet) wurden. Hier können Sie abschauen, wie es andere vor Ihnen gehandhabt haben.

4. Beispiele / Alternativen zu „ich“ und „man“

Aber wie können Sie wissenschaftlich formulieren? Es hilft, die Sätze entweder im Passiv zu formulieren oder beispielsweise mit „lassen sich + Infinitiv“ zu umschreiben.

Nicht so elegant finden wir die Umschreibung mit Autor/Verfasser, aber das ist sicherlich Geschmacksfrage.

Hier einige Vorschläge:

In der Arbeit beschäftige ich mich mit xy Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit xy
Ich gehe hier der Frage nach, … Es wird der Frage nachgegangen, …
Nachfolgend kann man aufzeigen, wie… Nachfolgend lässt sich aufzeigen, wie …
Ich gebe zunächst einen Überblick über … Zunächst wird ein Überblick gegeben über …
Dann untersuche ich … Darauf aufbauend wird untersucht …
Im Kapitel 3 behandle ich … Im Fokus des dritten Kapitels steht …
In Kapitel 4 widme ich mich xy Kapitel 4 ist xy gewidmet
Man spricht von xy, wenn … Es wird von xy gesprochen, wenn …
Mit dem Fazit beende ich diese Arbeit Ein Fazit beschließt die Arbeit
Daraus schließe ich, dass … Daraus lässt sich schließen, dass …

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie in einer Uni-Hausarbeit oder Bachelorarbeit richtig formuliert haben: Ziehen Sie einen unserer Lektoren hinzu. Die Experten überprüfen und optimieren gerne Ihren Text. Sie achten auf einen wissenschaftlichen Sprachstil und formulieren, wo es sinnvoll ist, vorsichtig um.

Mehr Informationen zum wissenschaftlichen Lektorat »

Weitere Literaturhinweise

Oehlrich, Markus: Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben. Schritt für Schritt zur Bachelor- und Master-Thesis in den Wirtschaftswissenschaften, Heidelberg 2015; S. 147.

Theisen, Manuel René: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl. München 2013, S. 158 f.

https://wissenschafts-thurm.de/ist-das-ich-verbot-noch-zeitgemaess/, abgerufen am 24.1.2020

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