Ratgeber Promotion / DissertationErfolgreiche Dissertation

Die Relevanz der Quellen bestimmen

Vielleicht haben Sie in der letzten Woche fleißig für Ihre Doktorarbeit recherchiert. Und nun liegen da 40 Quellen vor Ihnen – Kopien, Aufsätze, Artikel und ganze Bücher. Was aber nun? Erstmal alles lesen und dann weitersehen? Das wäre wenig effizient. Warum? Weil die 40 Quellen mit großer Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Relevanz für Ihre Dissertation besitzen. Wie also können Sie planvoll mit dieser Fülle umgehen?

Bevor Sie sich die Mühe machen, alle Quellen auf Verdacht hin durchzuarbeiten, ist es sinnvoll, zuerst deren Relevanz für Ihre Arbeit zu bestimmen.

Wie bestimmen Sie die Relevanz der einzelnen Quellen und welche Relevanzstufen gibt es?

Je klarer Sie Frage und Ziel Ihrer Arbeit bestimmen (s. hierzu „Forschungsfrage und Untersuchungsziel definieren“) und je klarer Sie die Funktion der einzelnen Kapitel im Rahmen Ihrer Untersuchung definiert haben, desto deutlicher ist, wonach Sie in den Quellen suchen und worüber die Quellen Auskunft geben sollen. In der Recherche können Sie so mit zentralen Schlagwörtern und Suchbegriffen Quellen finden, die dann mehr oder weniger zu Ihrem Thema und Ihrer Frage passen.

Häufig helfen Abstracts, eine erste Einschätzung vorzunehmen. Auch Inhaltsver-zeichnisse, Schlagwortregister oder das Literaturverzeichnis einer Quelle können Aufschluss darüber geben, ob sie das von Ihnen Gesuchte enthalten wird. Haben Sie bis dahin einen positiven Eindruck, dann lohnt es sich, den Text anzulesen – die Einleitung, den Schluss, die Anfänge der einzelnen Kapitel. Auch ein bloßes Durchschauen der Grafiken und Tabellen gibt schon gute Hinweise, ob diese Quelle für Sie von Bedeutung ist. Auf diese Weise können Sie eine Einschätzung der Quelle vornehmen, ohne dass Sie gleich den gesamten Text lesen müssen.

Auf diese Weise lässt sich jede Quelle einer von drei Relevanzkategorien zuordnen:

  • relevant
  • am Rande relevant
  • nicht relevant

Was machen Sie mit den Quellen der verschiedenen Kategorien?

Mit den relevanten Quellen sollten Sie arbeiten, denn diese Quellen bilden das Fundament von Teilen Ihrer Dissertation. Es lohnt sich, die relevanten Quellen aktiv zu lesen und zu exzerpieren (s. hierzu „Exzerpte anfertigen“) – aber es lohnt sich nur mit diesen Quellen. Für die beiden anderen Kategorien ist dieser Aufwand unangemessen. Denn für die nur am Rande relevanten Quellen reicht es aus, sie zur Kenntnis zu nehmen und gegebenenfalls in der Arbeit auf sie zu verweisen. Und die nicht relevanten Quellen dürfen Sie getrost weglegen, denn: sie sind für Ihre Arbeit ohne Belang.

Was passiert, wenn Sie sich bei der Relevanzprüfung irren?

Natürlich kann es sein, dass eine Quelle, die Sie als relevant eingestuft haben, sich bei näherer Betrachtung doch als eher nebensächlich herausstellt. Ebenso kann eine als teilweise relevant für Ihre Dissertation eingestufte Quelle am Ende doch als unwichtig ganz herausfallen. Auch die umgekehrte Richtung ist denkbar: Eine nur am Rande relevante Quelle entpuppt sich im Prozess der Arbeit als wichtiger als zuvor gedacht und muss so doch noch durchgearbeitet werden. Und eine als unbedeutend aussortierte Quelle enthält am Ende wohl doch zumindest teilweise relevante Aspekte.

Aber kann es passieren, dass sich eine Quelle, die Sie als relevant eingestuft haben, als vollkommen irrelevant herausstellt? Oder umgekehrt, dass eine Quelle, die Sie als nicht relevant aussortiert haben, doch eine zentrale Quelle hätte sein müssen? – Ja, das kann passieren, aber nur unter einer Bedingung: nur dann, wenn Sie die Fragestellung Ihrer Dissertation verändert haben! Dann aber müssen Sie ohnehin den Großteil der recherchierten Quellen überprüfen und wahrscheinlich auch noch weitere, neue Recherchen durchführen.

Solange Sie bei Ihrer Fragestellung bleiben, ist es meiner Ansicht nach ausgeschlossen, dass Sie eine relevante Quelle nicht als solche erkennen oder dass Sie eine irrelevante Quelle fälschlicherweise als zentrale Quelle einstufen. Hier können Sie gewiss Ihrer Expertise und fachlichen Kompetenz trauen. Das Schlimmste, was passieren könnte, ist daher lediglich, dass Sie eine Quelle aussortiert haben, die eventuell am Rande relevant gewesen wäre.

Vertrauen Sie Ihrer eigenen Expertise und fachlichen Kompetenz

Die folgende Tabelle zeigt die Relevanzverhältnisse im Überblick:

Mögliche Abweichungen der Quellenrelvanz

Mit dieser Prüfung und Kategorisierung sparen Sie Zeit, schützen sich vor unnötigem Lese- und Arbeitsaufwand und schaffen die Voraussetzung für den nächsten Arbeitsschritt: die Auswertung der wichtigen Quellen, nicht aber der unwichtigen.

Dieser Artikel wurde von Dr. Sven Arnold verfasst.
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