Schritt für Schritt zur Einleitung – und zum eigenen Forschungsraum (Dr. Kerstin Maupaté-Steiger, Schreibberaterin und Lektorin)

Dieser Text unterstützt Sie dabei, wie Sie etappenweise zu einer Einleitung kommen. Dabei bauen die einzelnen Schritte systematisch aufeinander auf, sodass Sie sich Ihrem Ziel nähern, ohne sich zu verzetteln. Nach einer kurzen Beschreibung der drei Stufen folgen noch einige hilfreiche Tipps, wie man Fallen umgehen und Fehler vermeiden kann.

Sie wissen mehr darüber, als Sie denken.

Bevor überhaupt das erste Wort einer Abschlussarbeit geschrieben ist, weiß JEDER Schreibende, wie wichtig die Einleitung für die eigene Arbeit ist, auch wenn man selbst so etwas noch nie verfasst hat. Genau das hindert uns aber auch daran, sich an die Einleitung zu setzen. Sätze wie „Ich muss erst noch …“ oder „Ich kann doch nicht …“ sind wie Pop-ups: Sie kommen schneller hoch, als jedes Windows-Fenster sich öffnet, und lähmen ungewollt die Finger. Die Bedeutsamkeit des Einleitungskapitels für die gesamte Arbeit bringt uns als Schreibende ins Grübeln, lässt uns innehalten, zweifeln – und oftmals stagnieren.

Dies muss aber gar nicht sein, wenn man drei denkbar einfache Punkte beachtet, die die Schreibforscher John Swales und Christine B. Feak 2011 in ihrem Buch „Creating Contexts“ für den Aufbau einer Einleitung als essenziell beschreiben. Wenn Sie sich Ihr Fachgebiet einmal als Haus vorstellen, dann gilt es, für sich in diesem Gebäude mit mehreren Zimmern einen Forschungsraum zu finden.

Das Motto für die Einleitung lautet: Schaff dir einen Forschungsraum!

Vorgehen Masterarbeit Einleitung Schritt für Schritt

1. Stecken Sie sich eine Forschungsfläche ab!

Im ersten Schritt geht es darum, dass Sie Ihr Forschungsgebiet abstecken („establishing a territory“). Hier beschreiben Sie, wie Ihr Thema in der jeweiligen Disziplin zu verorten ist, warum es relevant ist und aktuell in Ihrem Fachgebiet gerade diskutiert wird oder werden soll. Sie bieten dem Leser einen ersten Einstieg und Zugang zum Thema. Dazu eignet sich als Aufhänger zu Beginn auch oftmals ein berühmtes Zitat (aber Achtung: Plagiatsgefahr! – siehe Tipp 9).

2. Suchen Sie sich eine Nische!

In einem zweiten Schritt präsentieren Sie Ihre Forschungslücke vor diesem sauber abgesteckten Forschungsgebiet („establishing a niche“). Ihr Zimmer hat immerhin auch mehrere Ecken – aber welche davon wollen Sie sich in Ihrer Arbeit nun genauer ansehen, und vor allem: welche nicht?

Dazu müssen Sie Stück für Stück die Forschungslücke aufdecken, d. h., Sie referieren kurz (!) die bisherigen Befunde zu Ihrem Forschungsgegenstand bzw. die theoretischen Ansätze innerhalb Ihres Forschungsgebiets. Für eine ausführliche Diskussion des Forschungsstandes ist allerdings der Hauptteil reserviert. Dennoch müssen Sie den Leser bereits in der Einleitung über zentrale Ergebnisse bzw. bisherige Ansätze zu diesem Forschungsthema informieren, damit Sie sich davon entweder 1) abgrenzen oder 2) diese gemäß der Forschungstradition bestätigen oder aber 3) weiterführende Fragen aufwerfen können. Dabei müssen Sie nur insofern auf bisherige Arbeiten und Diskussionen in Ihrer Disziplin eingehen, als Sie die Forschungslücke damit angemessen beschreiben können.

ABER ACHTUNG: In Ihrer Forschungsecke sollte es eben nicht bereits vor lauter besetzten Stühlen wimmeln. Wenn viele Forscher zu dem von Ihnen ausgewählten Thema gearbeitet haben, dann können Sie nur schwer etwas Eigenständiges dazu beitragen bzw. beschreiben. Deshalb müssen Sie in der Einleitung schon aufzeigen, dass bei Ihrem Forschungsthema noch ein Nachholbedarf in der jeweiligen Fachdisziplin besteht bzw. ein Aspekt noch nicht ausreichend bearbeitet wurde. Bei Bachelorarbeiten ist hier der Innovationsanspruch allerdings geringer als bei Masterarbeiten oder Dissertationen.

Manchmal reicht es schon, sich einen neuen Probandenkreis zu suchen oder eine andere Methode zu wählen. Dieser Schritt bedeutet in den Worten von Sonja K. Foss und William Waters, die „Signifikanz Ihrer Studie zu identifizieren“. Lediglich darauf hinzuweisen, dass das, was Sie tun, noch niemand zuvor gemacht hat, halten die beiden Autoren für wenig hilfreich (vgl. Destination Dissertation, S. 57–58). Existiert z. B. schon eine Rezeptionsstudie zu Ihrem Thema mit Jugendlichen, dann könnten Sie dies mit Kleinkindern durchführen. Wurde das Rezeptionsverhalten bei Kindern bereits mit einer Videoaufzeichnung analysiert, dann könnten Sie auf teilnehmende Feldbeobachtungen ausweichen. Hat man Kleinkinder nur in Laborsituationen aufgenommen, dann könnten Sie dies im familiären Umkreis im heimischen Wohnzimmer nachholen. Wurden beispielsweise Studien mit mehrsprachigen Kleinkindern nur in Amerika durchgeführt, dann könnten Sie dies in einem anderen Setting in Deutschland realisieren. Suchen Sie sich Ihre Ecke und schaffen Sie sich damit Ihre Forschungslücke!

3. Richten Sie es sich in Ihrer Forschungsecke gemütlich ein – besetzen Sie Ihre Nische!

Im letzten Schritt – Sie ahnen es schon – gilt es, Ihren Forschungsbeitrag konkret zu BENENNEN („occupying a niche“) und nicht nur – wie im Schritt zuvor – den Nachholbedarf zu beschreiben. Wenn Sie nun schon eine relativ leere Ecke für sich im Zimmer gefunden haben, dann müssen Sie natürlich auch sagen, auf welchen Stuhl Sie sich gerne mit der Durchführung Ihrer Arbeit setzen wollen: Was werden Sie mit Ihrer Arbeit bzw. Studie leisten?

Kurzum: Es handelt sich also um nichts anderes als die Vorstellung Ihres Forschungsvorhabens, und zwar mit allem Drum und Dran: mit dem Untersuchungsziel/ zweck, sprich dem Erkenntnisinteresse, mit der zentralen Forschungsfrage, möglichen Hypothesen sowie mit der Methode und dem Aufbau der Arbeit. Dass Fragestellung, These und Zielsetzung nicht dasselbe sind und alles (!) ausformuliert gehört, wird wunderbar im Klassiker von Otto Kruse „Keine Angst vorm leeren Blatt“ beschrieben (dort ab S. 127). Meist beginnt dieser Absatz mit: „In der vorliegenden Studie wird …“ Ihre Leser nehmen Sie hier also an die Hand und sagen, welche Kapitel diese mit welchen Inhalten in der Arbeit erwartet. Dadurch betreten Sie gemeinsam mit Ihren Lesern den noch unbekannten Forschungsraum.

Alle drei Schritte müssen in einer Einleitung nacheinander gegangen und keiner darf ausgelassen werden. Die häufigsten Fehler beim Schreiben einer Einleitung sind, dass der eine oder andere Schritt übergangen wird, beispielsweise wenn

  • Sie nur die Forschungsergebnisse anderer wiederholen (= Schritt 2), ohne eine eigenständige Forschungsfrage zu stellen (= Schritt 3);
  • Sie nur ein Forschungsgebiet benennen (= Schritt 1), ohne eine Forschungslücke aufzudecken und ohne damit eine Grundlage für ein mögliches Forschungsziel zu erarbeiten (= Schritt 2).
  • wenn das Ziel und die Grundannahme der Arbeit unklar bleiben (= Schritt 3), obwohl Sie andere Forschungsergebnisse ausführlich dargestellt haben (= Schritt 2).

Sind Sie sich unsicher, ob in Ihrer Einleitung auch wirklich alle Punkte abgehandelt wurden, und fehlt Ihnen die Außensicht, dann holen Sie sich frühzeitig Feedback von anderen zu Ihrem Text ein. Dies können Kommilitoninnen und Kommilitonen sein oder Berater in einem Schreibzentrum, falls diese Einrichtung an Ihrer Hochschule vorhanden ist. Auch freiberufliche Schreibberater und Fachlektoren können Sie dabei unterstützen.

Tipps zum Verfassen einer Einleitung

TIPP 1

Schreiben Sie die Einleitung nach Lust und Laune, d. h., Sie müssen sich nicht schon mit dem Ausformulieren der Einleitung zu Beginn quälen. In aller Regel wird die Einleitung am Ende der Arbeit sowieso noch einmal neu formuliert. Allerdings ist es hilfreich, sich anfangs zumindest Stichpunkte zur Einleitung aufzuschreiben – und zwar genau zu den drei oben genannten Punkten. Dann wissen Sie, wo die Reise hingeht, und Sie können gezielter und fokussierter den Hauptteil schreiben.

TIPP 2

Schreiben Sie zu allen drei Punkten etwas auf, d. h. zum Forschungsgebiet, zu den Forschungsergebnissen und zum eigenen Forschungsbeitrag, denn diese drei Punkte bedeuten nicht dasselbe! Lassen Sie keinen Punkt aus, denn je gezielter Sie sich Gedanken zu diesen drei machen, desto genauer wissen Sie auch, was Sie im Hauptteil schreiben.

TIPP 3

Benennen Sie nur so viel Literatur in der Einleitung wie nötig, um zum Thema hinzuführen – aber nicht so viel wie möglich! Sie müssen in der Einleitung noch nicht beweisen, dass Sie einen Überblick über das jeweilige Forschungsgebiet haben. Das erfolgt im Hauptteil bei der Klärung der Grundbegriffe und Grundlagen. Ziel der Einleitung ist es vielmehr, die Relevanz und Aktualität des Themas und den Forschungsbedarf herauszustellen.

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TIPP 4

Benennen Sie die zentralen Schlüsselbegriffe auch in Ihrer Einleitung und schauen Sie sich dabei den Arbeitstitel an, wenn Sie noch nicht genau wissen, welche dies sein könnten. Das Erklären, Problematisieren und Diskutieren der genannten zentralen Begriffe erfolgt dann im Hauptteil.

TIPP 5

Man muss das Rad nicht neu erfinden – das gilt auch für die Einleitung! Haben Sie schon ein Exposé geschrieben, dann können Sie auch Textteile aus diesem für Ihre Einleitung verwenden, wie beispielsweise die Benennung der Forschungsfrage bzw. des Forschungsbeitrags, sofern sich diese nicht während des Forschungsprozesses nochmal geändert haben.

TIPP 6

Zur „richtigen“ Länge einer Einleitung gibt es leider kein Patentrezept. Das ist fach , disziplinen- und sogar themen- bzw. methodenspezifisch. Bei einer theoretischen Arbeit erwartet man als Leser eine längere Hinführung bzw. Einleitung als bei einer empirischen Studie. Aber wenn Sie alle Bestandteile einer Einleitung abgearbeitet haben, dann ist die Einleitung lang genug (siehe Tipp 7).

TIPP 7

Und das müssen Sie für Ihre Einleitung tun: Relevanz und Aktualität des Themas aufzeigen; Forschungsgebiet abstecken; Forschungsergebnisse zum Thema kurz präsentieren und dann eigenen Forschungsbeitrag markieren; Forschungsfrage formulieren und einordnen; Forschungsmethode und Vorgehensweise benennen; Aufbau und Struktur der Arbeit erklären.

TIPP 8

Auch schon in der Einleitung sollten Sie immer korrekt zitieren, denn diese lesen Prüfer besonders aufmerksam! Dort können sich leicht Plagiatsfehler einschleichen, denn man meint, vermeintlich eigenes Gedankengut wiederzugeben, weil man beim Verfassen der Einleitung schon sehr viel zum Thema gelesen hat.

TIPP 9

Denken Sie weniger in Kapiteln, sondern vielmehr in Schreibaufgaben oder Arbeitsschritten, wie hier die drei vorgestellten Schritte! Diese können Sie dann nacheinander abarbeiten und abhaken! Was später dann wo steht, ist erst einmal zweitrangig, aber wichtig ist, dass Sie zu allen Punkten etwas stehen haben.

Fazit

Eine Einleitung ist kein Hexenwerk, sondern lediglich die Beschreibung Ihres Forschungsvorhabens. Arbeiten Sie die drei Schritte chronologisch durch, dann sind Sie Ihrer Einleitung schon ein ganzes Stück näher gekommen. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie an alle notwendigen Schritte in Ihrer Einleitung gedacht haben oder ob diese im Text auch wirklich stehen, dann bitten Sie frühzeitig andere, Ihren Text durchzulesen, oder diskutieren Sie Ihr Vorhaben mit anderen in einem Gespräch! Machen Sie sich Notizen dazu, an welchen Stellen Ihre Gesprächspartner Verständnisschwierigkeiten haben. Dies liefert gute Hinweise, wo nachgebessert werden muss oder zu welchen Punkten noch etwas fehlt. Auch in einem Coachinggespräch mit professionellen Schreibberatern lassen sich Schwächen in der Einleitung schnell ermitteln und beheben. Falls Sie Ihre Einleitung bereits geschrieben haben und sich ein Feedback zu dieser oder ein Lektorat wünschen, dann können auch Lektoren Sie dabei unterstützen.

Literatur zum Vertiefen

Foss, Sonja K./Waters, William (2007): Destination Dissertation. A Traveler’s Guide to a Done Dissertation. Lanham: Rowman.

Kruse, Otto (2007): Keine Angst vorm leeren Blatt. Frankfurt: Campus.

Swales, John/Feak, Christine B. (2011): Creating Contexts: Writing Introductions across Genres. Ann Arbor, Michigan: Michigan UP.

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