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Computergestützte qualitative Datenanalyse Prof. Dr. Günter Mey, Rubina Vock & Paul Sebastian Ruppel

Die Nutzung von Softwareprogrammen bei der Auswertung qualitativer Daten ist heute weit verbreitet. Qualitative (oder allgemeiner: nicht nummerische) Daten in Form von Text, aber auch Bild oder Video, werden dabei weitgehend mithilfe speziell entwickelter Software ausgewertet. Gesprochen wird in diesem Zusammenhang – seit Mitte der 1990er und zurückgehend auf Lee und Fielding[1] – von „computergestützter qualitativer Datenanalyse“ (engl. Computer Assisted/Aided Qualitative Data Analysis, kurz CAQDAS) oder der Verwendung von QDA-Software (Qualitative Datenanalyse bzw. engl. Qualitative Data Analysis, kurz QDA).

Die Nutzung von Software als fester Bestandteil der Datenanalyse führt gerade bei größeren Datenmengen zu einer erleichterten Organisation und Strukturierung. Die interpretative Denkarbeit können die Programme den Forschenden jedoch nicht abnehmen[2].

1. Funktionen der QDA-Software

QDA-Software unterstützt die Auswertung qualitativer Daten, d. h., die Programme sind Werkzeuge, die bei Anwendung einer der vielen in der qualitativen Forschung vorliegenden Auswertungsmethoden zum Einsatz kommen, aber nicht als eigenständige Analysetechnik missverstanden werden dürfen. Die Nutzung von QDA-Software hat die Paper-Pencil-Auswertung weitgehend abgelöst, d. h., Textpassagen (aber auch Filmsequenzen und Bilder) werden nun hauptsächlich am Computer in digitaler Form bearbeitet und analysiert.

Als wichtige Funktionen der Programme sind u. a. zu nennen:

  • Datenmanagement (z. B. Zusammenstellen von Textstellen für spezielle Kodierungen; sog. Retrival)
  • Kategorienmanagement (Zusammenstellung von Kategorien und Unterkategorien; Anbringen von Notizen zu Kategorien)
  • Memoing (Festhalten von Ideen zu Textpassagen, Kategorien und ganzen Fällen)

Viele Programme zeichnen sich durch weitere Features aus. So gibt es z. B. Funktionen zur Suche nach Textsegmenten inklusive wortbasierter Häufigkeitsauswertungen oder zur Visualisierung durch grafische Darstellungen, dem sogenannten qualitative modeling. Auch können die Daten häufig über die Export- und Importfunktionen für statistische Analysen im Mixed-Methods-Design verfügbar gemacht werden.

2. Verfügbare QDA-Software

Mittlerweile liegt eine Fülle an kostenpflichtiger wie auch unentgeltlich nutzbarer QDA-Software, letztere häufig als Open-Source-Software, vor[3]. Die meisten Programme sind nicht auf eine spezielle Auswertungsmethode abgestimmt bzw. begrenzt, wenngleich sich einige vornehmlich für kategorienorientierte Vorgehensweisen wie bei der qualitativen Inhaltsanalyse oder Grounded-Theory-Methodologie empfehlen, andere dagegen eher für sequenzanalytische Auswertungen im Rahmen von Konversations- oder Narrationsanalysen geeignet sind.

Zu den bekanntesten Softwarepaketen, die insbesondere bei kategorienbildenden Verfahren eingesetzt werden, zählen „MAXQDA“[4] und „ATLAS.ti“[5]. Sie bieten eine Fülle an Features an, die weit über die reine Textanalyse hinausgehen. „f4 analyse“[6] dagegen ist ein auf die Basisfunktionen beschränktes Tool, das sich besonders für geringere Datenmengen (bis zu 30 Interviews) eignet. Speziell für die qualitative Inhaltsanalyse entwickelt wurde „QCAmap“[7], das sich an dem für dieses Verfahren vorgeschlagenen Ablaufmodell mit induktiver und deduktiver Kategorienbildung orientiert.

Wenngleich diese QDA-Softwares auch für die Annotation und Analyse von Daten im Rahmen von konversationsanalytisch orientierten Untersuchungen eingesetzt werden, liegen dafür jedoch speziell entwickelte Programme wie z. B. „EXMARaLDA“[8] vor. Sie werden der Forschungs- und – oft sequenzierenden – Auswertungslogik weitaus gerechter. Somit muss der prinzipielle und uneingeschränkte Einsatz von QDA-Software für alle und damit gerade auch für sequenzielle und nicht kode- bzw. kategorienorientierte Analyseverfahren hinterfragt werden, da Auswertungsschritte und Analyseziele teils stark voneinander abweichen und somit nicht immer passgenau im jeweiligen Programm abgebildet werden können.

3. Potenziale der QDA-Software

Als Vorzüge der Nutzung von QDA-Software gelten generell die Verarbeitung von großen Datenmengen und die übersichtliche Strukturierung der Daten, die Möglichkeit, unterschiedliche Datensorten einzubeziehen und multimedial miteinander zu verknüpfen, sowie eine verbesserte Dokumentation und erhöhte Transparenz. Zudem ist ein weiterer Vorteil darin zu sehen, dass die Software das gleichzeitige oder parallele Bearbeiten der Datensätze erlaubt und damit Teamwork unterstützt. Allerdings realisieren einige Forschende ihre Auswertung weiterhin unter Nutzung von Word oder Excel. Am Ende entscheiden die Datenmenge, die Ansprüchlichkeit der Analyse, aber auch die Vorlieben der einzelnen Forschenden, ob und wenn ja, welche Programme sinnvoll einzusetzen sind.

Literatur

Zentrale Veröffentlichung

Kuckartz, Udo (2010). Einführung in die computergestützte Analyse qualitativer Daten (3., akt. Aufl.). Wiesbaden: VS.

Übersichtsdarstellungen

Kuckartz, Udo & Rädiker, Stefan (2010). Computergestützte Analyse (CAQDAS). In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie (S. 734–750). Wiesbaden: VS.

Vertiefende Lektüre

Konopásek, Zdeněk (2011). Das Denken mit ATLAS.ti sichtbar machen: Computergestützte qualitative Analyse als textuelle Praxis. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Grounded Theory Reader (2., überarb. und erw. Aufl.) (S. 381–403). Wiesbaden: VS.

Lewins, Ann & Silver, Christina (2007). Using Software in Qualitative Research: A Step-By-Step Guide. London: SAGE.

Beispiele

Evers, Jeanine; Mruck, Katja; Silver, Christina & Peeters, Bart in Zusammenarbeit mit Silvana di Gregorio & Clare Tagg (Hrsg.) (2002). Das KWALON-Experiment: Beiträge von Entwickler/innen und Nutzer/innen qualitativer Analyse-Software. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 3 (2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/36.

Gibbs, Graham R.; Friese, Susanne & Mangabeira, Wilma C. (Hrsg.) (2002). Technikeinsatz im qualitativen Forschungsprozess. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 3 (2), http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/view/22.

[1] Lee, Raymond M. & Fielding, Nigel G. (1995). User’s Experiences of Qualitative Data Analysis Software. In Udo Kelle (Hrsg.), Computer-Aided Qualitative Data Analysis: Theory, Methods and Practice (S. 29–40). London: SAGE.

[2] Konopásek, Zdeněk (2011). Das Denken mit ATLAS.ti sichtbar machen: Computergestützte qualitative Analyse als textuelle Praxis. In Günter Mey & Katja Mruck (Hrsg.), Grounded Theory Reader (2., überarb. und erw. Aufl.) (S. 381–403). Wiesbaden: VS.

[3] Lewins, Ann & Silver, Christina (2007). Using Software in Qualitative Research: A Step-By-Step Guide. London: SAGE.

[4] http://www.maxqda.de/

[5] http://www.atlasti.com/de/

[6] http://www.audiotranskription.de/f4-analyse

[7] http://www.qcamap.org/

[8] http://www.exmaralda.org/

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