Literaturrecherche mit dem Schneeballsystem

Schneeball-Literaturrecherche Bachelorarbeit und MAsterarbeit

Das Schneeballsystem bezeichnet ein Suchverfahren, mit welchem Literaturverzeichnisse oder Quellenangaben / Fußnoten nach geeigneter Literatur durchsucht werden. Man beginnt mit einer konkreten Quelle, die für das eigene Thema relevant ist, und stößt so auf interessante Literaturhinweise, welche für die eigene wissenschaftliche Arbeit von Interesse sind. Das Schneeballsystem ist einfach, liefert schnell eine Vielzahl von relevanter Literatur und lässt sich bei weiteren Quellen beliebig oft wiederholen.

Wenn Sie sich einen ersten Überblick über die Forschungsliteratur für Ihre Seminararbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit verschaffen möchten, ist das Schneeballsystem ein geeignetes Verfahren zur Literaturrecherche. Dabei sollten Sie jedoch immer bedenken, dass Sie so nur Literatur finden, die älter als die Ausgangsquellen ist. Richtig angewandt, ist die Durchsicht einzelner Literaturverzeichnisse aber ein effektives Mittel, um eine Vielzahl an relevanter Literatur zu finden.

Beispiel:

Ein Student soll eine Seminararbeit zum Thema Produktionsplanung bei der Fertigung von Motorrädern schreiben. Er kennt sich bei Motorrädern gut, im Bereich der Produktionsplanung aber noch gar nicht aus.

  1. Als Erstes nimmt er ein Standardlehrbuch, z. B. Wöhe, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. In diesem Werk gibt es eine Einführung in die Produktionsplanung auf acht Seiten. Er verschafft sich so einen Überblick.
  2. Eine Fußnote im Lehrbuch erregt seine Aufmerksamkeit. Es gibt ein Fachbuch: Sillekens, Produktionsplanung in der Automobilindustrie (…). Dieses Werk findet er in der Bibliothek.
  3. Er schaut sich das Literaturverzeichnis des Fachbuches an und findet den Hinweise auf einen Artikel in einer Fachzeitschrift. Die BMW Produktionsplanung im Zweiradwerk Spandau. BINGO!
  4. Über die Suche im Online-Katalog wäre der Artikel in der Fachzeitschrift nicht gefunden worden, da der Student nicht auf die Idee gekommen wäre, nach dem Begriff „Zweiradwerk“ zu suchen. Die Literaturrecherche mit dem Schneeballsystem führte aber schnell zu dem Treffer.

Aktuelle Literatur als Ausgangspunkt für das Schneeballsystem

Als Ausgangspunkt für das Schneeballsystem sollten Sie ein allgemeines Werk wie einen Lexikoneintrag, ein Einführungswerk oder ein Lehrbuch suchen, welches besonders aktuell ist. Dort finden Sie einige einführende Literatur zu Ihrem Thema, mit welcher Sie sich einen ersten Überblick verschaffen können. Nach und nach gelangen Sie über weitere Literaturverzeichnisse zu immer speziellerer Literatur für Ihre Arbeit.

Mit dem Schneeballsystem werden Sie eine solche Menge an Literatur finden, dass Sie unmöglich jedem Literaturhinweis nachgehen können. Man muss dabei lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Achten Sie bei der Durchsicht der Literaturverzeichnisse besonders auf Literatur, welche immer wieder genannt wird. Dies ist ein Indiz dafür, dass es sich hier um besonders wichtige Literatur zu Ihrem Thema handelt.

Die Nachteile des Schneeballsystems

Bei aller Effektivität für die Literaturrecherche hat das Schneeballsystem auch Nachteile. Mit jedem neuen Literaturverzeichnis, welches man durchsucht, wird die gefundene Literatur älter. Ebenso besteht die Gefahr, dass man in ein sogenanntes Zitierkartell gerät, wo sich einzelne Autoren immer wieder gegenseitig zitieren. Diese Autoren gehören häufig einer wissenschaftlichen Schule an, wobei die Positionen anderer Wissenschaftler häufig außen vor gelassen werden. Seien Sie also besonders aufmerksam, wenn Sie bei der Literatursuche für Ihre Seminararbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit stets auf die gleichen Namen treffen.

Bedenken Sie auch, dass Sie sich beim Schneeballsystem auf eine fremde Literaturrecherche verlassen. Es ist nicht gewährleistet, dass ein Autor eine sorgfältige Literaturauswahl getroffen hat. Vielleicht wurden wichtige Quellen übersehen.

Wenn man jedoch das Schneeballsystem als eines von mehreren Verfahren bei der Suche nach Literatur heranzieht, dazu besonders aktuelle Ausgangsliteratur und mehrere Startpunkte wählt, bietet es wertvolle Dienste gerade zu Beginn der Literaturrecherche.