Historie von Studi-Lektor

Unsere Organisation hat sich innerhalb von 40 Jahren stark verändert – von einem losen akademischen Zusammenschluss in Hamburg (1970er) hin zum größten unabhängigen Wissenschaftslektorat in Deutschland (seit 2010).

Die 1970er und 1980er Jahre

Die Wurzeln von Studi-Lektor liegen in der Studentenbewegung der frühen 1970er Jahre in Hamburg. Studenten der Fachhochschule nutzten als Wohnort und Treffpunkt ein 1969 errichtetes Gebäude am Neuengammer Hausdeich. Viele ausländische Studierende trafen hier auf deutsche Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie junge Akademiker mit Abschluss. Diese jungen ausländischen Studierenden waren in der deutschen Wissenschaftssprache wenig bewandert und holten sich Hilfe. Deutsche Muttersprachler korrigierten schriftliche Arbeiten von Ausländern und Migranten. Im Gegenzug kochten und gärtnerten die ausländischen Studierenden für ihre deutschen Helfer. So fand ein Austausch statt, der an eine Nachbarschaftshilfe erinnerte.

Die 1990er Jahre

Auch in den 1990er Jahren blieb das Prinzip der Nachbarschaftshilfe und Tauschwirtschaft bestehen, das erst ein Jahrzehnt später aufgegeben wurde. Es wurden weiterhin Texte ausländischer Kommilitonen von deutschen Muttersprachlern lektoriert und im Gegenzug gekocht, repariert, Rasen gemäht und andere Dinge geleistet. Auf anderen Gebieten vollzog sich ein Wandel. Die meisten der ausländischen Studierenden, die in den 1970er und 1980er Jahren in Hamburg studiert hatten, waren 1985 wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Aus den deutschen Studierenden der 1970er wurden etablierte Akademiker, die beispielsweise als Ingenieure und Soziologen arbeiteten und Familien gründeten. So entstanden zwei Gruppen: ältere Akademiker mit vielen Verpflichtungen und junge Studierende, die Unterstützung suchten.

Die 2000er – Jahre des Umbruchs

Mit Beginn des neuen Jahrtausends traten einige Veränderung ein, die das Antlitz unseres Netzwerkes stark veränderten. So baten immer mehr deutschsprachige Studierende um Unterstützung. Sie hatten Fragen zur Strukturierung und zum Aufbau ihrer schriftlichen Arbeiten, nicht nur zur Rechtschreibung. Nur die älteren berufserfahrenen Akademiker im Netzwerk konnten bei diesen anspruchsvollen Anliegen helfen, und der Austausch zwischen den Studierenden nahm ab. Festangestellte Mitarbeiter traten an die Stelle der ehrenamtlichen, anders war das Arbeitspensum nicht zu bewältigen. Als Lektoren und Coachs kommen seit Ende 2003 nur noch berufserfahrene Akademiker zum Einsatz. Viele arbeiten parallel als Dozenten an Hochschulen oder bei Wissenschaftsverlagen. Das Prinzip der Nachbarschaftshilfe und des studentischen Austausches hat hier keine Grundlage mehr, somit sind wir zu einer Bezahlung in Euros übergegangen.

Heute

Derzeit betreuen wir pro Jahr mehr als 1.500 Studierende. Viele junge Akademiker, die an ihrer Hochschule wenig Unterstützung erfahren, wenden sich an uns. Statt eines einfachen sprachlichen Lektorats bieten wir immer mehr wissenschaftliche Fachlektorate und eine Betreuung am Telefon. Die Organisation übt sich hier in einem Spagat: Auf der einen Seite steht weiterhin „Hilfe und gesellschaftliches Engagement“ auf dem Programm, auf der anderen Seite gilt aber der Satz „Leistung muss bezahlt werden“, damit auch Honorare, Website und Gehälter bezahlt werden können.