Promotionsberatung zwischen Werbung und Wirklichkeit

Einen Doktortitel zu führen, ist attraktiv. Sich mit einem Thema intensiv zu beschäftigen, ist auch reizvoll. Promotionsberater bieten Ihnen Unterstützung an. Es gibt aber einen sehr großen Unterschied zwischen den vollmundigen Versprechen aus der Werbung mancher Promotionsberater und der Wirklichkeit.

Kernaussage 1 vieler Promotionsberater: „Wir besorgen Ihnen einen Doktorvater.“

Ein Beispiel, wie das nicht geht, gab es 2010 in Hannover. Hier wurde einer Gruppe von Juristen gegen Zahlung von rund 20.000 Euro ein Doktorvater vermittelt. (1) Der emeritierte Professor und der Promotionsberater sind inzwischen rechtskräftig verurteilt. Das Gericht sah hier einen Fall von Bestechung. Professoren geraten sehr schnell in den Verdacht der Vorteilsnahme, wenn sie mit Promotionsberatern zusammenarbeiten. Mir persönlich ist kein Professor bekannt, der sich Doktoranden von irgendwelchen Beratern vermitteln lässt.

Eine Promotionsberatung kann unter Umständen dabei helfen, einen Lehrstuhl zu finden, der zu dem Thema forscht, das Sie interessiert. Wenn man aber selbst aktuelle Forschungsliteratur zu seinem Interessensgebiet recherchiert, stößt man sehr schnell auf die Professoren, die in diesem Gebiet tätig sind. Wahrscheinlich kann ein Tag Recherche in Bibliotheken und Datenbanken für wissenschaftliche Journale eine teure Beratung ersetzen.

Kernaussage 2: „Wir stellen Ihnen ein Promotionsthema. Sie schreiben gleich los.“

Schöne Werbeaussage, klingt für mich ähnlich wie: Nehmen Sie dieses Deo, alle werden auf Sie fliegen. Die Verlockung ist groß, aber ist das realistisch? Das Thema muss mit dem Doktorvater abgestimmt werden und nicht dem Berater gefallen. Es sollte so etwas wie eine Forschungslücke in dem Bereich geben, in dem Sie forschen wollen. Der in Ihrem Exposé zum Promotionsvorhaben skizzierte Forschungsansatz muss durchführbar sein. Das Wichtigste aber: Thema und Durchführungsplanung sollten Sie begeistern. Wie wollen Sie sonst die Disziplin aufbringen und Ihr Vorhaben durchhalten.

Sich das passende Thema für die eigene Promotion zu erarbeiten, ist schwierig, aber eine wichtige Eigenleistung innerhalb der Promotion. Misstrauen Sie Beratern, die sie damit locken wollen, Ihnen diesen Arbeitsschritt abzunehmen. Meiner Erfahrung nach funktioniert das nicht. Was funktionieren kann, ist ein Dialog. Sie haben eine grobe Idee für Ihr Vorhaben und diskutieren diese mit einem erfahrenen Wissenschaftler aus Ihrem Fachbereich, also jemandem der selbst eine Dissertation geschrieben hat, mit dem Fach vertraut und sich die Zeit nimmt, mit Ihnen zu diskutieren. So haben Sie einen Sparringspartner für Ideen. Das kann, muss aber kein Promotionsberater sein. Üblich ist hierbei die Bezahlung in Stunden. Die üblichen Stundensätze liegen in diesem Bereich zwischen 50 Euro und 80 Euro. Wie lange man miteinander diskutiert, bis man einem potenziellen Doktorvater das Thema vorstellt, ist sehr individuell. Fünf Stunden Diskussion sollten ausreichen, wenn auch Sie sich als zukünftiger Doktorand mit Recherche, Reflexion und Zeit mit einbringen.

Was Universitäten von Promotionsberatung halten und was das für Doktoranden heißt

Viele Professoren stehen der Promotionsberatung sehr skeptisch gegenüber. Der Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), der Standesvertretung der Universitätsprofessoren, formuliert dies so: Promotionsberater stehen generell „im Verdacht, an der Vergabe unredlicher Doktortitel beteiligt zu sein“ (2).

Mir geht dieser Generalverdacht zu weit. Es gibt aber im Internet viele Webseiten, auf denen Promotionsberatung angeboten wird, ich aber den Eindruck habe, dass dieser Begriff verwendet wird, um das Wort „Ghostwriter“ zu vermeiden. Ich kann mir kaum eine faire und legale Beratung bei einer Dissertation vorstellen, die teurer als 700 Euro ist. Wenn so viel Geld fließt, ist anzunehmen, dass der hilfreiche Geist dem Doktoranden viel Arbeit abnimmt. Eine Dissertation muss aber die Eigenleistung des Doktoranden sein.

Ihre Dissertation entsteht nicht im luftleeren Raum, natürlich pflegen Sie Kontakt zu anderen. Zu Ihrem/Ihrer Betreuer/in, der/die Inputs geben, zu Studienkolleg/inn/en oder anderen, mit denen Sie über Ihr Vorhaben sprechen. Bei der bezahlten Promotionsberatung sollte Ihnen aber klar sein, dass nicht alles, was der Markt anbietet, sich mit der Promotionsordnung Ihrer Universität vereinbaren lässt.

Lesen Sie unsere Tipps zur Promotion und sparen Sie so die Kosten für einen Promotionsberater.

  1. Von der Idee zum Thema
  2. Das Thema richtig eingrenzen
  3. Forschungsfrage und Untersuchungsziel
  4. Literatur recherchieren, Forschungsstand darstellen

(1) Verwaltungsgericht Hannover, Urteile vom 31. Mai 2010 – 6 A 1233/09

(2) http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/windige-promotionsberater-doktorfabrik-geht-pleite-a-603647.html